Unser Selbstverständnis


Wir sehen den Tod als Wandlung, als ein Ereignis, in dem Bewusstsein/Geist/Seele und Körper sich trennen. Dieser Wandlungsprozess ist mit großem Leiden verbunden und braucht eine besonders gute, palliative und menschliche Betreuung. Sollte es so sein, dass der Tod den Körper betrifft, aber nicht das geistige Wesen eines Menschen, dann schlussfolgern wir, dass das Auswirkungen auf die Begleitung des Sterbenden hat, der auch diesen Standpunkt vertritt. Er hat bei uns die Möglichkeit behutsam eine Perspektive zu entwickeln, die über den Körper hinausgeht, sei es eine, die seiner Religion entspricht, oder eine ganz individuelle Vorstellung. Wir unterscheiden zwischen Spiritualität und Religion. Für uns ist die Vorstellung, mit den körperlichen Überresten wieder in einen natürlichen Kreislauf einzugehen oder die Idee, von Verwandten abgeholt zu werden, eine spirituelle, keine religiöse.

Jede über den Tode hinausweisende Perspektive gibt Hoffnung und die Überzeugung, dass es irgendwie weiter geht, auch wenn das „Wohin“ ein Mysterium ist. Die Hoffnung des Einzelnen wollen wir erfragen, ihn motivieren und inspirieren, seine inneren Kräfte mobilisieren und sei es, indem wir ihm wichtige letzte Wünsche erfüllen, die vielleicht ganz sinnlich und weltlich sind. Wir achten, bei allem was wir tun, die Selbstbestimmung des Kranken. Sie ist uns ein hochstehender ethischer Wert. Wir möchten unseren Gast, der auf die letzte Reise geht, generell und spirituell dort abholen, wo er steht, und Hilfestellungen anbieten, wenn sie von ihm gewünscht werden. Über den Wandel im Tod vom Grobstofflichen in eine feinstoffliche Existenz gibt es unzählige Konzepte und Vorstellungen. Wer meint, der Tod sei das definitive Ende von allem, findet bei uns auch seinen Platz. Wir werden jedem unserer Gäste die bestmöglichste Fürsorge zukommen lassen, auf allen Ebenen hospizlicher Begleitung.

Wir sehen eine unserer wesentlichen Aufgaben darin, dem Sterbenden dabei zu helfen, seine ganz persönlichen Vorstellungen und Erfahrungen auszudrücken und wollen es ihm ganzheitlich ermöglichen, die bevorstehende Wandlung so friedvoll wie möglich zu vollziehen. Dies erfordert die Unterstützung unseres Gastes mit unterschiedlichen, auch spirituellen Methoden wie Gesprächen über Erlebnisse und transzendierende, innere Erfahrungen, seine Begleitung mit geeigneten, von ihm gewünschten Imaginationen, Gebeten, Mantras, Ritualen. Wir nehmen auf Wunsch Kontakt auf mit spirituellen oder religiösen Weggefährten, sorgen für eine angemessene uns sehr persönliche Auswahl von Medien wie Musik, Bildern, Fotografien, Gegenständen, Ritualen und mehr, sind auch – wenn gewünscht – still und einfühlsam an seiner Seite. Wir schaffen den bestmöglichsten Rahmen für die Reise der Seele aus dem Körper, indem wir die Umgebung, die Atmosphäre um den Kranken herum sowohl medizinisch und pflegerisch als auch geistig-seelischem positiv gestalten, ohne übergriffig zu sein. Licht, Farben, Düfte, Klänge sind für uns wertvolle Hilfsmittel, die dazu dienen, dass unsere Gäste sich rundherum wohl fühlen. Das Ineinandergreifen von Schwingungen, die von materiellen Dingen und ideellen sowie den Begegnungen im Haus ausgehen, wollen wir auf wohltuende Weise zusammenklingen lassen. Deshalb gestalten wir das gesamte Gebilde, das wir bauen, inklusive die Gärten und Gebäude sowie unsere Projekte so, dass sie dem Wohl unserer Gäste dienen.

Wir helfen beim Abschiednehmen und der Klärung der letzten Dinge, die Herz und Geist des Kranken negativ beeinflussen, und tragen dazu bei, dass er innerlich frei werden kann von unnötigen Belastungen, soweit es die Umstände zu lassen. Hierzu erhalten alle unsere MitarbeiterInnen eine besondere Schulung, die auch die Umgangsformen miteinander betrifft. Wir kultivieren die achtsame Haltung des Dienens im Rahmen des Gesamtkunstwerkes Hospiz, in einem Bewusstsein darüber, dass alle Details, alle Menschen, die dort sind, mit ihren Stärken und Schwächen zusammenwirken. Wir weben an dem Teppich des Verbundenseins miteinander und über dieses Leben hinaus.

Diese spezielle Prioritätensetzung werden wir in die öffentliche Diskussion einbringen. Wir sehen das Hospiz als einen besonderen Ort an, in dem die Gäste ihr inneres Zuhause suchen und finden können, während sie hervorragend palliativ betreut und begleitet werden. Gemeinschaft miteinander im Haus, zwischen Ehrenamtlichen Mitarbeitern, Gästen und Angehörigen ebenso wie mit dem Projekt und den Hennefern ist uns wichtig. Wir fördern den lebendigen Austausch miteinander und bringen die letzte Lebensphase in den Hennefer Alltag hinein, durch jeden einzelnen von uns sowie mit Veranstaltungen, Festen und Einladungen zur Teilnahme an unseren Projekten, wie der Werkstatt, Veranstaltungen, den Bewegungsräumen und mehr. Wir holen Ärzte, Therapeuten, Heilkundige, Wissenschaftler und Menschen ins Haus, die uns etwas zu sagen haben, die uns ihren Rat geben. Wir integrieren körperlich und geistig beeinträchtigte Menschen. Unser Gesamtkunstwerk dient dem Erleben des Verbundenseins.