Ein Hospiz – Was ist das?


Das Wort

Das Wort „Hospiz“ stammt von dem lateinischen Wort hospitium, das gleichermaßen für eine Herberge steht wie auch für die Gastfreundschaft an sich. Über Jahrhunderte wurde es als Synonym für ein Gasthaus verwendet, so wie es heute noch in Österreich und der Schweiz der Fall ist. Mit Beginn der Hospiz-Bewegung in Deutschland in den 1980er Jahren etablierte sich das Wort als Bezeichnung für Häuser, in denen Menschen ihre letzte Lebensphase verbringen.  Anfangs noch als „Sterbehospiz“ hat sich die Form „Hospiz“ mittlerweile allgemein etabliert.

Der Beginn der Hospiz-Bewegung

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg arbeitet Cicely Saunders, die Gründerin der Hospizbewegung, in einem Londoner Krankenhaus. Sie trifft dort auf den Juden David Tasma, der den Holocaust im Warschauer Ghetto überlebt hat. Er war unheilbar an Krebs erkrankt. Beide kommen sich näher und reden über einen Ort, an dem man menschenwürdig sterben kann. Er hinterlässt Cicely Saunders 500 Pfund mit der Bitte: „Lassen Sie mich ein Fenster sein in Ihrem Haus“. 20 Jahre dauert es, bis Cicely Saunders 1967 nach ihrer Ausbildung als Sozialarbeiterin und dem Studium der Medizin in einem Londoner Vorort dieses Haus eröffnet. Sie nennt es St. Christopher`s, das zur Wiege der weltweiten Hospizbewegung wurde.

In den folgenden Jahren war St. Christopher‘s nicht nur ein Zufluchtsort für schwerkranke und sterbende Menschen sondern auch ein Vorbild für zahlreiche andere Einrichtungen, die seitdem entstanden sind. Es wurde auch zu einem Zentrum der Ausbildung und Forschung, vor allem in moderner Schmerztherapie und Symptomkontrolle. Cicely Saunders verbrachte ihre letzten Lebenstage in St. Christopher‘s. Sie starb am 14. Juli 2005. Sie formulierte den Leitspruch der Hospizarbeit: Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“

Etwa zur gleichen Zeit, 1969, veröffentlicht Elisabeth Kübler-Ross, eine damals noch unbekannte Psychiaterin aus der Schweiz, in den USA das Buch „On death and dying (Interview mit Sterbenden)“. Das Buch wird ein weltweiter Erfolg. Die Zeit ist reif, in der westlichen Welt das Tabu-Thema Tod anzugehen.

Quelle: Lisa Freund www.elysium.digital/magazin/schwerpunkt/2016-oktober-pioniere-der-hospizbewegung/hospiz-kommt-von-herberge/

Die Hospiz-Bewegung in Deutschland

1986 wurde das erste stationäre Hospiz in Deutschland von der Caritas in Aachen als Teil eines Wohn- und Betreuungszentrums gegründet.  Das erste Hospiz, das eigenständig und unabhängig von einer bestehenden Einrichtung und Organisation 1990 entstanden ist, war das Elisabeth-Hospiz in Lohmar-Deesem, als insgesamt drittes Hospiz in Deutschland. Das Ehepaar Josef und Sibilla Brombach gründete den Verein und errichtete zusammen mit vielen ehrenamtlich engagierten Menschen ein Haus, in dem Menschen ein letztes Zuhause finden. Sowohl das Gebäude als auch der Betrieb wurden seinerzeit ausschließlich aus privaten Geldern finanziert.  Die Familie Brombach gehört also zu den echten Pionieren der Hospiz-Bewegung in Deutschland.

Die Öffentliche Hand sah sich nicht in der Verpflichtung, die Krankenkassen fühlten sich für die Heilung von Kranken zuständig, finanzierte nichts darüber hinaus. Erst mit dem Jahrtausendwechsel wurden die Krankenkassen verpflichtet, einen Großteil der Kosten zu übernehmen.

Heute müssen laut Hospiz- und Palliativgesetz die Kassen 95 Prozent der entstehenden Kosten übernehmen. Dabei wird als Grundlage ein Tagessatz angewendet, der für die Zeit eines Gastes im Hospiz mit dem Tag der Aufnahme beginnt und dem Tag des Todes endet. Mit diesem Tagessatz müssen alle Kosten abgedeckt werden, sowohl die laufenden betrieblichen Kosten für Personal, Gebäude etc. als auch die Miete von Räumen oder deren Finanzierung. Aus diesem Grund sagt der Gesetzgeber, dass es keinerlei öffentliche Förderung zum Bau eines Hospizes geben darf. Obendrein wird den Kassen das Recht eingeräumt, mit jedem Hospiz individuell über die Tagessätze zu verhandeln. Im Ergebnis bedeutet dies, dass der durchschnittliche Tagessatz in 2016 bei rund 260 Euro lag und davon der Betrieb nicht vollständig finanziert werden kann. Realistisch ist bei einer Größe von 16 Zimmern im geplanten Hospiz davon auszugehen, dass über 300.000 Euro an Spenden gewonnen werden müssen – jedes Jahr.

Heute

Inzwischen (Stand 2017) gibt es ein Netz von rund 1.500 ambulanten Hospizdiensten, 236 stationären Hospizen sowie mehr als 300 Palliativstationen in Krankenhäusern. Über 300 Teams der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung aus Medizinern, Pflegekräften, Seelsorgern und Physiotherapeuten sorgen dafür, dass Sterbenskranke auch in schwierigsten Situationen zu Hause versorgt werden können. 80.000 bis 100.000 Menschen engagieren sich in der Hospizbewegung.

Die Vorgeschichte: Von der ersten Idee zum Herzblut-Projekt

Ende 2015/Anfang 2016 gab es die ersten Überlegungen, dass ein Hospiz für die Stadt Hennef wünschenswert sei. Überlegungen in der Stadtverwaltung, vertreten durch Frau Norden, Leitung der Stabsstelle „Inklusion/Älterwerden“, und Bürgermeister Klaus Pipke führten zu einer Nachfrage bei Hugo Breuer, Gründer eines florierenden Pflanzen-Marktes an drei Standorten. Herr Breuer erklärte, dass er ein Grundstück von über 8000 Quadratmetern in der Siegaue zur Verfügung stellen würde, wenn es für ein Hospiz und somit gemeinnützig verwendet würde. Auf dem Gelände haben in den Gründungszeiten des Unternehmens Gewächshäuser gestanden.

In einem ersten Gespräch nach dem Jahreswechsel 2016 mit der Familie Brombach wurden die Möglichkeiten ausgelotet. Dabei waren sich alle Beteiligten einig, dass die Situation zur Gründung eines Hospizes sehr erfolgversprechend war.

Im Umfeld der Familie Brombach hatte sich Anfang 2016 ein Verein gegründet, der sich die Förderung der palliativen Arbeit zum Ziel gesetzt hat, der Lichthof e.V. (www.lichthof-ev.de). VertreterInnen des Vereins führten im Laufe des Jahres zahlreiche Gespräch mit der Stadt, dem ambulanten Hospizdienst Hennef und anderen Institutionen und sorgten für die Anfertigung eines Bodengutachtens

Zum Jahreswechsel 2016/2017 übergab der Lichthof-Verein die Projektfortführung an Michael Ziegert mit der Maßgabe, einen eigenständigen Verein für die Gründung und den Betrieb des Hospizes zu gründen. Das Leitbild ist die Erklärung unseres Hospiz-Vereins über unser Selbstverständnis und unsere Grundprinzipien.